Samstag, 19. Januar 2013

Fertigschicksal

Auszug aus Genazinos Roman »Wenn wir Tiere wären« (2011):

»Ausgerechnet ich, der sich auf seine Individualität so viel zugute hielt, ging wie ein x-beliebiger Massenmensch mit einem Fertigsalat nach Hause. Eigentlich hatte ich mir einen neuen Anzug und vielleicht sogar ein neues Bett kaufen wollen, aber es hatte nur zu einem Fertigsalat in einem scheußlichen Plastikbehälter gereicht. Jetzt trug ich mein Fertigschicksal in meine Fertigwohnung, wo ich einen Fertigabend vor dem Fernsehapparat verbringen würde.«

Dank Genazino (mal wieder) und dem schönen Neologismus ›Fertigschicksal‹ denke ich darüber nach, wie gefährlich es ist, Fertigsalate zu essen: Sie werfen mirnichtsdirnichts (was für ein Wort) dein mühsam gezimmertes Selbstbild über den Haufen. 

Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären. München, Hanser 2011. S. 18.

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